Optische Industrie Thüringen: Kräftiger Aufschwung und wachsender Personalbedarf
OptoNet stellt Studie zur Geschäftssituation in der optischen Industrie Thüringen vor.
Nach erfolgreicher Überwindung der Wirtschaftskrise sind die Thüringer Optikunternehmen seit 2010 wieder auf stabilem Wachstumskurs und erwarten ein deutliches Plus bei Umsatz und Beschäftigung. Trotz des heftigen konjunkturellen Einbruchs 2008/2009 konnte die Branche ihren Umsatz in den vergangenen zwei Jahren um 6% steigern und erwirtschaftete 2010 rund 2,6 Mrd. Euro. Die Beschäftigtenzahl blieb mit 14.400 Mitarbeitern in Industrie und Forschung nahezu konstant.
Das sind die Ergeb
nisse einer vom Firmenverbund OptoNet in Auftrag gegebenen
Studie, die heute in Jena vorgestellt wurde. An der Befragung nahmen 144 Unternehmen der insgesamt 167 Branchenvertreter teil.
Befragt nach ihrer aktuellen Geschäftssituation, verweisen knapp 80% der Firmen auf eine »sehr gute« bzw. »gute« wirtschaftliche Lage. Das ist das beste Ergebnis seit dem ersten OptoNet-Branchenreport im Jahr 2002. »Besondere Dynamik erwarten die Unternehmen aus den Bereichen Optoelektronik, Messtechnik und Sensorik«, erklärte Klaus Schindler, Geschäftsführer von OptoNet. »Diese Technologien werden in zunehmendem Maße in der Industrie, im Gesundheitswesen und im Automobil- und Fahrzeugbau eingesetzt.«
Umsatzplus erwartetDie Umsatzentwicklung war im ersten Nachkrisenjahr stabil, die jährlichen Steigerungsraten von 10% der Vorjahre konnten erwartungsgemäß nicht erreicht werden. Die Umsatzprognosen für das laufende Geschäftsjahr versprechen jedoch kräftige Zuwächse: Mehr als 40% der Unternehmen gehen von »starken« Steigerungen und noch einmal 40% von zumindest einer »leichten« Erhöhung aus.
Der Exportanteil am Umsatz hat mit 66% wieder den Stand des ausgezeichneten Geschäftsjahres 2008 erreicht und ist in etwa doppelt so hoch wie die Exportrate des verarbeitenden Gewerbes in Thüringen.
Hohes Qualifikationsniveau und hohe ForschungsausgabenDer Erfolg der Unternehmen beruht im Wesentlichen auf der hohen fachlichen Qualifikation ihrer Mitarbeiter und der damit verbundenen Innovationskraft. 40% der Beschäftigten verfügen über einen Hochschulabschluss, 46% sind Facharbeiter. Ein Viertel der Unternehmen behauptet nach eigenen Angaben mit seinen Produkten die Spitzenposition im internationalen Wettbewerb. Weitere 57% sehen sich im High-End-Bereich auf gleicher Augenhöhe mit anderen Technologieunternehmen. Forschung und Entwicklung spielen daher eine herausragende Rolle in den befragten Firmen. 13% des Gesamtumsatzes werden dafür reinvestiert.
Beschäftigtenzahlen konstantSeit der letzten Befragung im Frühjahr 2007 blieb die Beschäftigtenzahl in der Industrie mit 13.400 Mitarbeitern nahezu konstant, Entlassungen blieben im Zusammenhang mit der Krise die Ausnahme. Zusammen mit den 1.000 Beschäftigten in universitären und außeruniversitären Forschungseinrichtungen arbeiten derzeit 14.400 Fachkräfte in der optischen Industrie des Freistaats.
Mehr Personal bis 2015
In den nächsten Jahren rechnen die Unternehmen mit einem kräftigen Personalwachstum. Fast jedes zehnte Unternehmen geht davon aus, schon Ende 2012 deutlich mehr Mitarbeiter zu beschäftigen. Mehr als die Hälfte der Unternehmen sieht moderatem Personalwachstum entgegen. Bis 2015 sollen jährlich 600 Fachkräfte neu eingestellt werden. Altersbedingt werden in den nächsten fünf Jahren zusätzlich 750 Stellen neu zu besetzen sein. Insgesamt werden demnach bis 2015 3.750 neue Mitarbeiter gebraucht. Mit der derzeitigen Ausbildungsquote von 4,5% und den zu erwartenden Absolventenzahlen an den Thüringer Hochschulen wird dieser Bedarf nicht zu decken sein.
Gute Noten für OptoNetDie Mehrheit der befragten Unternehmen ist Mitglied im Kompetenznetz OptoNet und nutzt die Angebote des Firmenverbundes im Bereich Kooperationsvermittlung, Marketing und Nachwuchskräftegewinnung. Diese Angebote der Geschäftsstelle werden fast ausschließlich mit »gut« oder »sehr gut« bewertet. Angesichts der Studienergebnisse will Geschäftsführer Klaus Schindler vor allem die kleinen und mittleren Unternehmen stärker bei der Fachkräftesuche und -qualifizierung unterstützen. »Von der Überwindung des Fachkräftemangels hängt die Zukunftsfähigkeit der gesamten Branche ab. Dabei geht es nicht nur um hoch motivierte Hochschulabsolventen, sondern auch um die kontinuierliche Fortbildung des vorhandenen Personals.«
OptoNet bündelt die Interessen von 94 Akteuren des Thüringer Optikclusters, fördert deren Vernetzung und stimuliert Kooperationen mit dem Ziel, die Entwicklung der Optischen Technologien in der Region voran zu bringen, die Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen und die nationale und internationale Sichtbarkeit des Cluster zu steigern. OptoNet versteht sich dabei als Dienstleister seiner Mitglieder, schafft eine gemeinsame Kommunikations- und Kooperationsplattform und engagiert sich aktiv beim Standortmarketing.
Der Bericht zu den aktuellen Geschäftszahlen, Umsatz- und Beschäftigungsprognosen wird seit 2002 im Zweijahresrhythmus veröffentlicht. Die Befragungen wurden im Auftrag von OptoNet vom Institut für Arbeits-, Industrie- und Wirtschaftssoziologie der Universität Jena durchgeführt.
Die Ergebnisse der Studie sind in einer Broschüre erschienen.


