Optische Industrie Thüringen: Trotz Krise optimistisch
Firmenverbund OptoNet stellt Studie zur Geschäftssituation in der optischen Industrie Thüringen vor.
Die Thüringer Optikunternehmen waren in den vergangenen zwei Jahren weiter auf Wachstumskurs und konnten ein deutliches Plus bei Umsatz und Beschäftigung verzeichnen. In Folge der weltweiten Wirtschaftskrise hat sich die Geschäftslage jedoch seit Beginn des Jahres 2009 deutlich eingetrübt. Für die Zukunft gehen die Geschäftsführer aber von einem Ausbau von Ertrag und Personal am Standort Thüringen aus. Das sind die Ergebnisse einer vom Firmenverbund OptoNet in Auftrag gegebenen Studie, die heute in Jena vorgestellt wurde. Befragt wurden die Geschäftsführer und Personalleiter von 171 Unternehmen mit insgesamt 13.750 Beschäftigten.
UMSATZ- UND EXPORTPLUS IN 2007 UND 2008
Vor dem Hintergrund der guten gesamtwirtschaftlichen Lage 2007 und 2008 konnte die optische Industrie ein Umsatzwachstum von 10% pro Jahr auf 2,5 Mrd. Euro verzeichnen. Rund 65% des Absatzes wurden dabei im Ausland erzielt. Im Vergleich zur Durchschnittsquote von 33% des verarbeitenden Gewerbes in Thüringen erweisen sich die Optikunternehmen damit als außerordentlich exportstark.
PERSONALZUWACHS IN ALLEN UNTERNEHMENSKLASSEN
Seit der letzten Befragung im Frühjahr 2007 stieg die Beschäftigtenzahl um durchschnittlich 5% im Jahr auf 13.750 Mitarbeiter. Vor allem die mittleren und großen Unternehmen stellten verstärkt Personal ein und trugen damit auch zur ›Verjüngung‹ ihrer Belegschaften bei. Zusammen mit den 900 Beschäftigten in universitären und außeruniversitären Forschungseinrichtungen arbeiten derzeit 14.650 Fachkräfte in der optischen Industrie des Freistaats.
ERFOLG DURCH SPITZENTECHNOLOGIEN UND HOHES QUALIFIKATIONSNIVEAU
Der Erfolg der Unternehmen beruht im Wesentlichen auf der hohen fachlichen Qualifikation ihrer Mitarbeiter und der damit verbundenen Innovationskraft. 41% der Beschäftigten verfügen über einen Hochschulabschluss, 47% sind Facharbeiter. Ein Viertel der Unternehmen behauptet nach eigenen Angaben mit seinen Produkten die Spitzenposition im internationalen Wettbewerb. Weitere 65% sehen sich im High-End-Bereich auf gleicher Augenhöhe mit anderen Technologieunternehmen. Forschung und Entwicklung spielen daher eine herausragende Rolle in den befragten Firmen. 10% des Gesamtumsatzes werden dafür reinvestiert.
AKTUELLE GESCHÄFTSSITUATION SCHWIERIG
Trotz dieser positiven Bilanz ist auch die optische Industrie Thüringens seit Beginn des Jahres 2009 von den Auswirkungen der weltweiten Wirtschaftskrise betroffen. Nur 44% der Unternehmen bewerteten ihre Geschäftslage zum Zeitpunkt der Befragung als »gut«, weitere 27% als »befriedigend« und 23% als »schlecht«. Im Vergleich zur Untersuchung 2007 hat sich die Stimmung damit deutlich eingetrübt.
»Aktuell leiden viele der Unternehmen unter den massiven Auftragsrückgängen der letzten Monate. Dazu kommt die Unsicherheit, wie lange die Durststrecke noch andauern wird«, erklärte Klaus Schindler, Geschäftsführer von OptoNet. Die Unternehmen reagierten mit Kurzarbeit, Überstundenabbau, Zurücksendung von Leiharbeitern und Einstellungsstopp. Entlassungen stellen bisher eher die Ausnahme dar.
ZUWACHS BEI UMSATZ UND BESCHÄFTIGUNG BIS 2015
Ungeachtet der aktuellen Krise halten die Unternehmen in mittel- und langfristiger Perspektive an ihren optimistischen Umsatz- und Personalprognosen fest. Die befragten Geschäftsführer gehen davon aus, dass die Branche ihren Umsatz bis 2015 weiter deutlich steigern wird. Auch beim Ausbau der Beschäftigtenzahlen sind die Unternehmen zuversichtlich: Sie planen bis 2015 eine Aufstockung des Personals um durchschnittlich 4% pro Jahr, woraus sich ein Bedarf von über 4.000 Fachkräften ergeben würde. »Mit der derzeitigen Ausbildungsquote von 4,4% und den zu erwartenden Absolventenzahlen an den Thüringer Hochschulen ist dieser Bedarf nicht zu decken«, so Schindler. Das Netzwerk werde die Unternehmen daher verstärkt bei der Erschließung des Fachkräftepotenzials unterstützen und auch dabei helfen, Berufsanfänger aus anderen Bundesländern zu gewinnen.
Das Kompetenznetz OptoNet e.V. bündelt die Interessen von 94 Unternehmen, Forschungs- und Bildungsinstitutionen mit dem Ziel, die nationale und internationale Entwicklung auf dem Gebiet der Optischen Technologien aktiv zu fördern und zu gestalten. OptoNet wird gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF).
Der Bericht zu den aktuellen Geschäftszahlen, Umsatz- und Beschäftigungsprognosen wird seit 2003 im Zweijahresrhythmus veröffentlicht. Die Befragungen wurden im Auftrag von OptoNet von den Soziologen des Instituts für Arbeits-, Industrie- und Wirtschaftssoziologie der Universität Jena unter der Leitung von Herrn Prof. Michael Behr durchgeführt.
Das Projekt wurde unterstützt von der Stiftung für Technologie, Innovation und Forschung Thüringen (STIFT).
Die Ergebnisse der Studie sind in einer Broschüre erschienen.
Bestellung: Nora Kirsten, Tel. 03641 / 65 83 40
Download der Studie:

