Wo aus Licht Zukunft wird
Jena ist 2009 im Club der zehn ausgewählten Städte ein "Treffpunkt der Wissenschaft"
Von OTZ-Redakteurin Angelika Schimmel Jena. Stadt der Wissenschaft war Jena gestern, "Treffpunkt der Wissenschaft" ist sie heute - und das ganze Jahr 2009. Universitätsstadt ist Jena seit 450 Jahren und mit dem Beinamen "Lichtstadt" will sie ihre Zukunftsfähigkeit unter Beweis stellen. Doch, wie wird aus Licht Zukunft? Und wieso kommt dabei gerade dem "lieben närrischen Nest" Goethes eine so wichtige Rolle zu?
Diese Fragen stellen sich viele Leute - junge und ältere, einheimische und fremde. Antworten darauf will Jena in diesem Jahr geben. "Die Bestimmung Jenas zu einem von zehn "Treffpunkten der Wissenschaft" im Wissenschaftsjahr 2009, das keiner Einzeldisziplin gewidmet ist, gibt uns den passenden Rahmen dafür", sagt Axel Burchardt, Pressesprecher der Jenaer Universität. Die Initiatoren dieses Themenjahres, die Robert Bosch Stiftung und der Deutsche Städtetag, laden diesmal zu einer "Forschungsexpedition Deutschland" ein. An zehn ausgewählten Standorten, unter anderem in Aachen, Göttingen, Mainz und Heidelberg, wird über Problemstellungen, Ergebnisse und Perspektiven einer bestimmten Forschungsdisziplin informiert. Wissenschaftler und Experten stellen ihr Thema öffentlich vor, Schüler der Region recherchieren dazu und Studenten dokumentieren die Expedition durch die deutsche Forschungslandschaft in einem Online-Tagebuch.
Ob es "Genug LebensEnergie für alle" gibt, fragt sich Aachen, "Ist Demokratie gerecht?" soll beim Treffpunkt in Karlsruhe erörtert werden und "Hat Gesundheit Zukunft?", wird in Heidelberg hinterfragt.
Dass Licht das Thema ist, mit dem sich in Jena tagtäglich rund 900 Wissenschaftler in Forschungseinrichtungen und Unternehmen beschäftigen, um optische Technologien in zukunftsfähige Produkte umzusetzen, ist hierzulande bekannt. "Offensichtlich hat es sich aber auch im fernen Berlin in vielen Köpfen eingebrannt, dass Jena der Optikstandort im Land ist", sagt Gunnar Poschmann, der den städtischen Part im Themenjahr verantwortet. "Es ist ein erneuter Beweis dafür, dass sich unser Einsatz als ´Stadt der Wissenschaft 2008" gelohnt und uns überregionale Bekanntheit gebracht hat", ergänzt er.
Das Netzwerk von Stadt, Unternehmen, Hochschulen und Forschungsinstituten, das maßgeblich für den Erfolg der Stadt der Wissenschaft verantwortlich zeichnete, wird auch diesmal aktiv. Die Fäden laufen bei "OptoNet" zusammen, jenem Verbund von 93 Unternehmen, Forschungs- und Bildungseinrichtungen, Kapitalgebern und öffentlichen Einrichtungen, die in der Region Jena gemeinsam daran arbeiten, nationale und internationale Entwicklung in den optischen Technologien voranzutreiben. "Wir freuen uns sehr, dass mit der Ernennung zum Wissenschaftstreffpunkt einmal mehr der Standort Jena ausgezeichnet wird", sagt Dr. Klaus Schindler, Geschäftsführer von OptoNet.
Mit einer Reihe von Aktionen und Veranstaltungen wollen die Jenaer 2009 buchstäblich nahtlos an das Wissenschaftsjahr 2008 anknüpfen. Erster Höhepunkt werde vom 3. bis 5. Mai der Halt des von der Max-Planck-Gesellschaft auf die Schiene gestellten Ausstellungszuges "Expedition Zukunft" in Jena-Göschwitz sein, berichtet Nora Kirsten von OptoNet. "Der 300 Meter lange Zug bringt in zwölf Waggons die zukunftsweisenden Wissenschaftstrends in den verschiedensten Gebieten populär an den Mann und die Frau", berichtet sie. Die Palette reiche von der Nanotechnologie über die Energieversorgung und die Ernährung der Weltbevölkerung bis zum Thema Mobilität - alles anschaulich, optisch attraktiv und mit vielen Möglichkeiten zum selbst aktiv werden. "Es sind auch Experimente und Beiträge aus Jena dabei, so von Biologen und Bewegungsforschern", berichtet sie.
Begleitend dazu sind Schüler aus den 5. bis 7. Klassen am 4. Mai ins Zeiss-Planetarium eingeladen, "Das Wunder Licht" zu erkunden. Wissenschaftler und Studenten liefern mit Geschichten, Experimenten und Kuppelprojektionen genügend Diskussions- und Denkstoff. "Dass solche Art der Wissensvermittlung Kindern Spaß macht, zeigen die mehr als 500 Anmeldungen. "Wir denken schon über eine Wiederholung nach", verrät Kirsten.
Geplant und bereits angeschoben ist auch eine Aktion, bei der Schüler des Abbe-, Zeiss- und Schott-Gymnasiums ihre eigenen Antworten auf die Jenaer Frage "Wie wird aus Licht Zukunft?" suchen. "Die Abbe-Gymnasiasten wollen sich des Themas Thermografie annehmen, die Zeiss-Gymnasiasten wollen in einem Film den Beitrag der Lasertechnik beleuchten", sagt Nora Kirsten. Weitere Veranstaltungen seien angedacht, so eine öffentliche "Rathausdebatte" mit Wissenschaftlern, Unternehmern und Kommunalpolitikern über die Frage, welche Zukunft Jena als "Lichtstadt" hat, und natürlich die nächste "Lange Nacht der Wissenschaft" im Herbst.
27.03.2009

